Lokale Unternehmer besorgt: Löscht KI das stationäre Geschäft endgültig aus?

Sam Altman hat mit OpenAI für ein wirtschaftliches Beben gesorgt. Aktienmärkte wurden von links auf rechts gedreht, Unternehmer bangen um ihre Existenz und auch Arbeitsplätze sind in Gefahr. Vor allem regionale Betriebe sind besorgt und stellen sich die Frage, ob sie von KI in Kürze ersetzt werden.

Eine Problemverschiebung, denn vor KI wäre der längst überfällige Schritt zur Digitalisierung fällig gewesen. Dieser wurde von zahlreichen Unternehmen bis heute nicht mit Erfolg gegangen und daher ist KI nicht die größte Gefahr.

Digitalisierung war nicht für alle Branchen ein Erfolg

Deutschland ist auf dem Weg zum digitalen Land, allerdings haben vor allem KMUs noch nicht vollständig mitgezogen. Ein grundlegender Pessimismus hat sich breit gemacht, die kleinen und regionalen Betriebe glauben nicht daran, dass sie gegen die Großkonzerne eine Chance haben. Dabei hat so manches Beispiel gezeigt, dass es geht, wenn der Unternehmer möchte!

Schauen wir uns die Glücksspielbranche an. Deutschlandweit steigt die Anzahl seriöser Online-Anbieter wie www.bingbong.de an. Parallel hierzu existierten im Kölner Stadtgebiet jedoch immer noch 220 Spielhallen mit landbasiertem Angebot. Schon 2017 wurde angekündigt, dass einige Lokalitäten schließen müssen, hieran waren aber weder KI noch Digitalisierung schuld. Somit hat diese Branche gezeigt, dass die digitale Welt kein Knockout für das stationäre Geschäft ist.

Deutliche Schwächen haben sich in der Gastrobranche gezeigt. Durch Corona stellten zwar mehr Betriebe auf Online-Bestellungen und Lieferdienste um, eine nachhaltige Integration der digitalen Lösungen blieb aber aus. So bestellen wir in Kölner Gaststätten heute immer noch aus der Papierkarte und längst nicht jeder Betrieb hat ein digitales Buchungssystem etabliert.

Hybride Lösungen sind für viele Unternehmen die beste Option

Nicht nur in der Glücksspielbranche, sondern auch in anderen Bereichen sind Hybridlösungen die beste Chance für niedergelassene Unternehmen. Die Angst davor, keinen Fuß mehr auf den Boden zu bekommen, ist obsolet. Es wird immer ein Bedarf an stationären Anlaufstellen bleiben, sofern es Alleinstellungsmerkmale und eine Anbindung an das digitale Netz gibt. Die nachfolgenden Konzepte haben sich als hybride Lösung bereits etabliert und für Erfolge gesorgt:

●     Digitale Terminbuchung bei Dienstleistern wie Werkstätten, Friseuren und Beratungsfirmen bei Termindurchführung vor Ort.

●     Nutzung virtueller Schaufenster als Marketingmaßnahme und zur Kundengewinnung.

●     Click & Collect Konzept zur Verbindung des Onlinekaufs mit lokalem Aufsuchen des Handels.

●     Online-Marktplätze für regionale Produkte zur Steigerung der Reichweite.

Der Bitkom hatte 2020 recherchiert, dass die Angst vor Digitalisierung eine wichtige Rolle in Deutschland spielt. In Anbetracht dessen wundert es nicht, dass künstliche Intelligenz für noch mehr Unsicherheit sorgt. Die Bereitschaft von Unternehmen, eigenständig zum Bestandteil der digitalen Welt zu werden, ist noch deutlich zu gering.

KI ist nicht die größte Gefahr für stationäre Händler

Es ist falsch, künstliche Intelligenz als Bedrohung der Menschheit und der eigenen Geschäftstätigkeit zu sehen. Wie wichtig bis heute menschlicher Input ist, zeigt sich hervorragend am (versuchten) Beispiel der Rezept-Digitalisierung in Deutschland. Ständige Ausfälle, Fehler und Probleme werden zum Leidwesen für Apotheken und für Verbraucher.

Künstliche Intelligenz hätte hier die Chance, durch die Etablierung von Algorithmen Ruhe hereinzubringen. Damit das funktioniert, braucht es noch immer das menschliche Auge, die Vorzüge für Betriebe und für Konsumenten ließen sich aber steigern.

Für regionale Unternehmen sind Routineaufgaben und Personalmangel entscheidende Probleme der heutigen Zeit. Hier könnte die KI helfen, anstatt zur Gefahr zu werden. Damit bleibt dem Händler selbst die Möglichkeit, sich stärker auf sein Kerngeschäft zu fokussieren und ein nötiges Alleinstellungsmerkmal zu etablieren. Es existieren viele dieser Ansätze, von denen lokale Betriebe oft noch nicht profitieren können. Grund dafür ist, dass die Digitalisierung nach wie vor nicht abgeschlossen ist.

Dies gilt als Voraussetzung, um künstlich-intelligente Prozessoptimierung zu nutzen und die Arbeitsabläufe zu optimieren. Wer heute als regionales Unternehmen scheitert, sollte nicht Technologien die Schuld geben. Es ist die Aufgabe des Einzelnen, mit der Zeit zu gehen und vor allem den Kunden als wichtigstes Glied der Kette in den Fokus zu stellen.